Persönliche Daten: Keine Angst! (?)

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Am 1. August 2019 von Peter Hurrelmann

 
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Versuchtes philosophisches Fazit eines Zeitzeugen, der zwar die Teilnahme an der Volkszählung vor gut 30 Jahren strickt verweigert hat, aber heute bereitwillig seine Daten im Internet preisgibt.

 

Ich weiß noch zu genau…

„Ich weiß noch zu genau, wie sich das 1987 anfühlte. Als Student in Berlin gehörte ich zu der 68er Generation, die endlich laut und stark die Nachwirkungen des bisher vergangenen Jahrhunderts – den Muff von 1.000 Jahren – abschaffen wollte. Ein damals aufstrebendes Lebensgefühl, bei dem im Hintergrund aber immer noch irgendwie die braune Mentalität der letzten Jahrzehnte mitschwang.

 

Wir aber wollten komplett anders sein als unsere Eltern. Aufbegehren gegen alles, was nach Obrigkeit, Unterdrückung, Gewalt, Rassismus und Gefangenschaft stank. Nicht nur wir in Westdeutschland/Westberlin waren damals als 68er gegen den Vietnam Krieg oder die Besetzung der Tschechoslowakei durch die damalige UdSSR. Weltweit ging die Jugend für einen radikalen Wandel der Weltgesellschaft – eine neue Zeit – auf die Straße; fast wie heute. Daraus entwickelte sich in den 70ern die Rote-Armee-Fraktion, eine linksextreme terroristische Vereinigung von Fanatikern die bis Ende der 80er Jahre unser Land brutal in Angst und Schrecken versetzte. Ich erinnere mich auch gut an einen neuen Begriff, der in dieser Zeit durch die Medien geisterte und von uns diskutiert wurde: die Rasterfahndung. Vom BKA entwickelt konnte man erstmalig mit elektronischen Mitteln Daten von Bürgern aus verschiedenen Behörden und Unternehmen miteinander abgleichen. 1979 kam es mit dieser Methode bereits zu einer ersten Festnahme eines Terroristen der Roten-Armee-Fraktion. Mit dem verknüpften Wissen vieler Behörden und Unternehmen konnte man also Verbrecher ermitteln. Sie fielen quasi durch ein Raster. Und das war auch gut so. Oder? Oder konnte sich diese Methode vielleicht auch mal irren. Was wäre gewesen, wenn man mich als absolut unbescholtenen Bürger, wegen einer Panne im Datenabgleich versehentlich einer Straftat bezichtigt hätte. Und wenn dann auch noch die Medien „Wind“ davon bekommen hätten. Filme wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ befeuerten zusätzlich unsere Bedenken und Ängste. Auch George Orwells „1984“ war in meiner Generation ein bekanntes Werk und wir zitierten die Jahreszahl zu jeder Gelegenheit, wenn es darum ging seine Zukunftsängste kund zu tun.

 

Mitten in diese Zeit platzte dann 1987 die Volkszählung. Eine umfangreiche staatliche Datenerhebung, die es in diesem Ausmaß bisher nicht gegeben hatte. Aus Sicht vieler Bürger eine unnütze Datensammelwut, mit dem Hintergrund die Überwachung des Einzelnen zu perfektionieren. Medien heizten die Diskussionen an. Entsprechend reagierte das Volk und sehr viele verweigerten sich. Für die ganz Hartnäckigen schickte man Volkszähler von Tür zu Tür um von jedem die Daten in Fragebögen zu erfassen. Wer sich verweigerte, wurde mit Bußgeld bedroht. Ich habe damals, wie viele andere den Volkszähler nicht hereingelassen und erinnere mich gut, dass wir nichts, ja nicht einmal unser Geburtsdatum bekanntgeben wollten.

 

Und heute?

Nach 25 Jahren Internet hat sich mein Leben in dieser Hinsicht komplett verändert. Ich habe, wie viele andere auch kaum noch Bedenken, Daten von mir im Internet preiszugeben. Aber was hat sich denn eigentlich gegenüber der damaligen Situation geändert?

 

Die Hysterie ist weg, aber ein Misstrauen ist immer noch da. Doch während ich damals ohne Grund und sogar mit der Androhung von Zwang meine persönlichen Daten herausgeben sollte, erhalte ich heute eine Gegenleistung für das, was ich ins Netz gebe. Das heißt, ich „bezahle“ mit meinen Daten. Sie haben also einen materiellen Wert!?

 

Egal, ob ich über Facebook mein Foto mit meinem kompletten Datensatz an ein russisches Unternehmen schicke, damit ich nach kurzer Wartezeit sehen kann, wie ich in zwanzig Jahren aussehe oder Google soll mir mal schnell etwas beantworten. Egal, was ich online auf meiner Tastatur eingebe – es wird irgendwo im Netz gespeichert und ausgewertet. Google und Co. weiß mittlerweile mehr über mich, als jede staatliche Institution jemals über mich herausfinden kann und verkauft dieses Wissen natürlich.

 

Macht mir das Angst? Ich bin mir nicht sicher. Solange meine Daten „in guten Händen“ liegen kann ja eigentlich nichts passieren. Dafür sorgt zumindest europaweit die DSGVO.

 

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